Montag, 8. Januar 2024 – Nianing

Wir werden herzlich von Schwester Marthe empfangen. Gleichzeitig liegt eine spürbare Aufregung in der Luft: Ein Neugeborenes aus Ngascop wird erwartet. Kaffee wird dankend angenommen, und sofort wird ein reichhaltiges Frühstück aufgetischt.

Beim anschliessenden Rundgang besichtigen wir zuerst die Schlaf- und Spielräume der älteren Kinder im Erdgeschoss, danach jene der kleineren Kinder im ersten Stock.

Noch vor dem Mittag trifft das neugeborene Mädchen Faty ein. Ihre Mutter ist am 5. Januar 2024 bei der Geburt verstorben. Begleitet wird das Baby von der jungen Schwester der Verstorbenen, der Grossmutter mütterlicherseits sowie vom Vater des Ehemannes der Verstorbenen, der zugleich Imam im Dorf Ngascop ist. Der Vater des Kindes steht nach dem Tod seiner Frau unter Schock und konnte bei der Übergabe nicht anwesend sein. Zusätzlich begleitet die Familie eine Frau aus Ngascop, deren Enkelkind ebenfalls im Waisenhaus in Nianing lebt.

Die Stimmung ist bedrückend, alle Anwesenden sind sichtlich betroffen. Schwester Marthe nimmt die Papiere des Kindes entgegen, kopiert die Ausweise der Begleitpersonen, liest die Hausordnung vor und stellt der Familie Fragen. Der Grossvater unterschreibt stellvertretend für die Familie die Zustimmung zur Pflege des Kindes durch das Waisenhaus.

Das Baby wird einer ersten medizinischen Kontrolle unterzogen, neu eingekleidet und die mitgebrachten Kleider der Familie werden zurückgegeben. Schwester Marthe erklärt der Familie die Rolle von Kinder in Not als Unterstützerorganisation des Waisenhauses. Die Grossmutter legt uns das Neugeborene in die Arme – ein sehr berührender Moment. Bereits am 12. Januar 2024 soll Faty geimpft und ärztlich untersucht werden.

Kinder, deren Mutter bei der Geburt verstorben ist, werden in der Regel nach etwa 18 Monaten wieder an ihre Familien zurückgegeben. Ausgesetzte Babys werden – wenn möglich – lokal an kinderlose Paare vermittelt. Bei der Rückgabe erhalten die Kinder vom Waisenhaus einen Koffer mit Kleidern, Medikamenten und weiteren Dingen, die den Neustart in der Familie erleichtern.

Wir haben Kleider für die Kinder sowie Parfum und Käse für die Schwestern mitgebracht. Zum Mittagessen werden wir eingeladen: Eine Salatplatte mit Tomaten, Randen, Karotten und grünem Salat, dazu Brot, grillierter Fisch mit Pommes frites sowie Reis mit Zwiebelsauce – wie schon im letzten Jahr hervorragend. Zum Dessert gibt es frische Ananas und weitere Früchte sowie den von uns mitgebrachten Käse. Die älteste Schwester weiss genau, dass sie den Gruyère am liebsten mag, und spart ihn sich bis zuletzt auf.

Nach dem Essen besichtigen wir das unter der Regie von Lorenzo neu abgedichtete Flachdach sowie weitere bestehende Baumängel. Vor der Abreise erhalten wir erneut Geschenke: geröstete Nüsse und je ein blaues Tischtuch für unsere Frauen.